3.6.2009

Erschöpft, aber glücklich

Infostand beim Evangelischen Kirchentag in Bremen

Ob sich Leute ansprechen lassen, die hauptsächlich zur religiösen Inspiration zum Evangelischen Kirchentag nach Bremen gekommen sind?

Drei Tage lang auf Menschen zugehen, sie ansprechen, mit ihnen diskutieren, sie überzeugen und sie für unseren Kampf um ein Verbot der Nazipartei NPD gewinnen.

„Darf ich Sie kurz ansprechen?“

„Wir sammeln Gründe für ein Verbot der NPD!“

„Haben Sie zuhause schon ein Kamel oder ein Allien?“

„Nennen Sie mir Ihren Grund für ein Verbot der NPD!“


So oder ähnlich haben wir die an uns vorbei flutenden, spätestens ab dem dritten Tag auch sichtlich gestressten Menschen auf unseren Stand aufmerksam gemacht. Nur wenige reagierten unwirsch, viele interessiert. Selten war unser Stand leer, oft aber hatten sich Trauben gebildet, insbesondere wenn eine der zahlreichen Jugendgruppen vorbei kam. Und dann konnte es losgehen mit unseren Fragen, aber auch zuhören war angesagt.


Die meisten Argumente, die wir zu zerstreuen hatten, waren,

- dass wenn die NPD verboten würde, die Nazis dann im unkontrollierbaren Untergrund weitermachen würden. Einige unsere Antworten: Die SPD-Innenminister haben mit ihrer kürzlich vorgelegten Dokumentation das Gegenteil bewiesen. Dann hätte man sie längst wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung verboten und bestraft, so aber sind sie durch das Parteienprivileg geschützt.

- dass die Ideologie mit dem Verbot doch nicht aus Köpfen verschwunden sei. Einige unsere Antworten: Stimmt! Den Sumpf muss man trocken legen durch umfassende Information über die Verbrechen der Nazis und der Ideologie, die bis heute dahinter steckt. Den jungen Menschen müssen durch bessere Bildung und Ausbildung echte Perspektiven geboten werden. Das Sozialstaatsgebot des Grundgesetzes darf nicht zur hohlen Phrase verkommen.

- dass sie sich sofort wieder neu organisieren würden oder sich anderen bestehenden faschistischen Organisationen anschließen würden. Einige unsere Antworten: Kann sein. Aber, sie bekämen nicht gleich wieder Steuergelder in Millionenhöhe.

- dass den Nazis auch das Grundrecht der Meinungsfreiheit zugestanden werden müsse. Einige unsere Antworten: Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen! Genau die, denen Meinungsfreiheit zugestanden werden soll, werden sie als Erstes abschaffen.


Zugegeben, nicht alles ist einem immer gleich eingefallen, obwohl jeder von uns alle diese Argumente schon mal gehört hatte und sich damit auseinandergesetzt hatte. Das Problem bestand u.a. darin: Wie sage ich es der 85 Jahre alten Frau? und: Wie sage ich es dem 15-Jährigen Punkie?

Die alte Dame schrieb schließlich: „Ich will das für meine Enkel nicht mehr haben!“ und der Punkie: „Die muss man verbieten, weil sie andere Lebensweisen nicht akzeptieren.“


„Schweigen ist Blech, Reden ist Gold“

Nur damit kann der Erfolg, den wir hatten, erklärt werden, denn mehr als 500 ausgefüllte Zettel bekamen wir in diesen Tagen. Am Samstagabend nach dem Aufräumen waren wir alle stehend k.o., aber glücklich!

Heinz Siefritz, Bundesschatzmeister
Eine Kampagne der VVN-BdA
© Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten